Ein bleibender Eindruck

Herta und Marius Spannbauer über Marius und Herta Spannbauer, über R12, Qualität, Berufsethos, die Familie, Generationenwechsel und die Zukunft.

40 Jahre R12, wie lautet das Resümee?

Herta Spannbauer: Sehr schön waren vor allem die ersten zehn Jahre. Die wichtigsten Fragen, die sich stellten, waren: Wie können wir wachsen? Wo finden wir wieder ein neues Lokal? Was gibt es Neues? Was kostet es? Können wir es finanzieren? Noch bis in die 1990er-Jahre hinein mussten wir uns fast ausschließlich mit Wachstumsthemen befassen.
Marius Spannbauer: Mit der Entwicklung der Technologie mithalten zu können, machte großen Spaß. Ob es die elektronische Seitenmontage war, die erste Paintbox, neue Andrucksysteme, die ersten Apples oder eine neue Digitaldruckmaschine – es reizte immer die Herausforderung, sich damit auseinanderzusetzen und zu den Ersten zu gehören, die die Technik perfekt beherrschten.
HS: Früher war unsere Branche praktisch eine „Apothekerbranche“, die viel Können und auch das Know-how für das Bedienen der extrem teuren Maschinen voraussetzte. Heute ist neue Techno-
logie sehr rasch allgemein zugänglich und entsprechend günstig …
MS: … was aber nicht bedeutet, dass alle sie beherrschen. Es ist ein großer Trugschluss zu glauben, Technik würde Fachwissen, handwerkliches Können und Erfahrung ersetzen. Technik kann nicht substituieren. Ihre Aufgabe ist es, rascher bessere Ergebnisse zu erzielen – wobei die Betonung
auf ‚besser‘ liegen muss.

Qualitätsfanatismus als Geschäftsmodell?

MS: Nein, Fanatismus kann nie ein Geschäftsmodell sein. Ich betrachte das Thema sehr nüchtern. Das Streben nach Qualität ist mir gegeben, es ist Teil meines Berufsethos, das nachhaltig das Image von Reprozwölf geprägt hat.

Was sind denn die „Assets“ des Unternehmens?

MS: Natürlich Fachwissen und Erfahrung! Automatisierung macht zwar vieles einfacher, aber auch vieles gleicher und leider auch schlechter.

Detailverliebtheit als Geschäftsmodell …?

MS: Nein, auch nicht. Man darf vor lauter Zeit- und Kostensparen nicht das Wesentliche vergessen: die Qualität des Produkts.
Sie ist im Endeffekt immer das Ergebnis von Know-how und Erfahrung … und vielleicht auch ein bisschen Detailverliebtheit.
Und sie ist das, was selbst bei so vergänglichen Dingen wie Printprodukten bleibenden Eindruck hinterlässt. Denn der Nutzer beurteilt ausschließlich, was er in Händen hält, und nicht den Herstellungsprozess. Die Frage nach den Mühen und Kosten der Herstellung interessiert ihn nicht …

Ist der Markt für Qualität noch vorhanden?

HS: Man muss leider feststellen, dass der Qualitätsanspruch bei den Auftraggebern in den vergangenen Jahren generell gesunken ist. Ich bin aber froh, dass es noch Kunden gibt, die in die entgegengesetzte Richtung tendieren und ihre Prioritäten anders setzen. Ich denke hier an hochwertige Produkte wie Schmuck oder Kosmetika, die im Print- und Pre-Print-Bereich die Latte sehr hoch legen. Ein weiteres gutes Beispiel ist die Zeitschrift „Maxima“, hier wird höchster Wert auf die Bildqualität gelegt.

Wie schafft man es, in einem Familienunternehmen Familie und Firma auseinanderzuhalten?

HS: Man kann es eigentlich nicht auseinanderhalten. Das ist aber kein Problem. Wichtig ist die Rollenaufteilung in der Firma: Ich war immer für das Wirtschaftliche zuständig, mein Mann für das Fachliche. Während des Tagesgeschäfts ist es oft nicht möglich, über die Firma nachzudenken. Viele Entscheidungen, die die Firma betreffen, müssen dann im privaten Rahmen getroffen werden.
MS: Wir hatten schon sehr früh gute und zuverlässige Mitarbeiter. Im zweiten Jahr ist Helmut Herzog zu uns gestoßen, der eine sehr wichtige Stütze war und uns so die notwendigen Freiräume verschaffte. Weitere für die Entwicklung des Unternehmens wichtige Mitarbeiter sind gefolgt. Dadurch ist auch die Firma zu einer Art Familie geworden.

Wie sind die Kinder mit der Situation umgegangen?

HS: Es war mir wichtig, dass die Kinder nicht durch die Firma belastet werden. Anfangs habe ich nur Teilzeit gearbeitet und die Kinder waren während meiner Arbeitszeit zu Hause betreut.

Wurde schon damals der Generationenwechsel vorbereitet?

HS: Nein, das war nie ein Thema. Nicht einmal zu der Zeit, als beide Söhne die „Grafische“ besuchten. Daniel, der Ältere, ist nach der „Grafischen“ an die WU gegangen. Andreas hat sich schon früh in Richtung Webdesign orientiert.
MS: Es stellte sich dann die Frage, wer nun nachfolgen wird. Andreas, der bei uns im Haus sein eigenes Unternehmen, die Webdesign-Agentur pixelpoems, führte, erklärte sich bereit. Es gab schon gemeinsame Projekte, die auch zu neuen Dienstleistungen führten wie „Database Publishing“, „Web2Proof“ und „Web2Print“. Diesen Weg gilt es nun in unserem Unternehmen, das wir im Juni auf R12 umtauften, weiterzuführen.

Wenn Sie das Unternehmen noch einmal gründen könnten, was würden Sie anders machen?

MS: Heute könnte man das Unternehmen nicht mehr so gründen, wie wir es seinerzeit in einer sehr optimistischen Wachstumsphase taten. Davon einmal abgesehen, würde ich rückblickend nichts anders machen.
HS (lacht): Ich würde, wie Andreas, ein Webdesign-Unternehmen gründen – und wäre (wohlgemerkt in den 1970er-Jahren) meiner Zeit um zwanzig Jahre voraus und vermutlich schon nach zwei Wochen pleite. Anschließend würde ich die Print- und die Web-Welt zusammenführen. Genauso wie es Andreas macht. Ich würde das Unternehmen R12 nennen und – trotz aller seit fast zwanzig Jahren kursierenden Untergangsszenarien der Printbranche – entspannt in die Zukunft blicken.

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